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Heimatverein Farge-Rekum e.V.
Kahnschifferhaus
Unterm Berg 31
28777 Bremen

mail : info(at)heimatverein-farge-rekum(dot)de

 

Das KSH erstrahlt im neuen Glanz
2008 Strohdach-Ausbesserung
Im Winter
Kahnknecht Koje

Bilder aus dem Kahnschifferhaus

 

 

 

Das Kahnschifferhaus

Kahnschifferhaus

Der  Heimatverein Farge-Rekum e.V. und der Schifferverein Rekum und Umgegend von 1919 e. V. haben von der Familie K. H. Schwarze, Rekum, ein altes  Reetdachhaus geschenkt bekommen. 
Das Haus, ein ehemaliges Zweiständerhaus, liegt Unterm Berg 31. Das dazugehörige Grundstück von 444 qm Größe haben beide Vereine je zur Hälfte erworben.
Sie haben das Haus restauriert, verwalten und unterhalten es. Das Haus dient den oben genannten Vereinen zur Erfüllung ihrer Zielsetzungen. Nach der Restaurierung beinhaltet es:
1. Diele mit Zweiständerhauscharakter;
2. Sammlung mit bäuerlichen Kleingeräten in Hille und Stallteil;
3. Schifferwohnecke;
4. Butze des Kahnknechtes;
5. Museale Küche (19. Jahrhundert) mit vorhandener gemauerter Herdfeuerstelle und offenem
    Rauchabzug, Gossenstein und Pumpe;
6. Geschäftszimmer;
7. Archivraum;
8. Sanitärbereich;
9. Pantry. 

Das Haus ist der Öffentlichkeit zeitweilig zugängig. ( Für Besichtigungen und Ausstellungen.)

Das Haus trug früher die Katasternummer 85 und war eine Anbauernstelle, Wohnhaus und Schweinestall.
Es ist 1800 gebaut worden; benachbarte Häuser mit den Katasternummern 98 und 99 sind 1833 entstanden.
Vor Friedrich Haeslop muss Dietrich Schwanewede Hausbesitzer gewesen sein, wie aus einem leider undatierten Katasterplan hervorgeht.
1848 kaufte Heinrich Seide das Haus von Friedrich Haeslop (1807-1887) aus Flethe (Blumenthal). Friedrich Haeslop aus Flethe war zeitweilig Inhaber der Blumenthaler Werft "Havighorst" und später einer Reederei, die 4 Segelschiffe besaß: Die Briggs "Blumenthal", "Meta", "Adeline" und "Eiche". 1858 übergab Heinrich Seide das Haus an seinen Schwiegersohn Hermann Hamann.
1867 kaufte Johann Mengers das Haus.
Waren die zwei Vorbesitzer wohl Kleinbauern, so sagt eine Steuerliste von 1888 aus, dass Johann Mengers von Beruf Seefahrer war. In seinem Hause wohnte damals auch der Kahnknecht Johann Volkens (in der Butze?).
Da auch im letzten Jahrhundert die Schiffe immer größer wurden, die Weser aber immer stärker versandete, ergab sich die Möglichkeit, mit kleineren Schiffstypen wie Weserkahn, Ever und Tjalk den Warentransport zwischen Bremen und den Häfen der Wesermündung durchzuführen, womit sich der Berufszweig des „Kahnschiffers" befasste. Allein in der heutigen Straße "Unterm Berg" wohnten im letzten Jahrhundert mindestens 11 selbständige Schiffer.
1901 übernahm Johann Mengers jun. das Haus.
1931 kaufte Fritz Heins das Haus.
1990 wurde es von K. H. Schwarze geerbt.
1992 Verkauf an den Heimatverein Farge-Rekum e.V. und den Schifferverein Rekum e.V..
 Die Vorbesitzer und auch Johann Mengers sen. haben das Zweiständerhaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohl zweimal umgebaut. Das ehemalige Rauchhaus (Gebälk) wurde nach vorne um ca. 2,5m verlängert, bekam zu den drei Räumen im Kammerteil eine Küche mit Herdfeuerstelle und offenem Rauchabzug in der südlichen Lucht. Ein Kellerraum entstand unter der nördlichen Kammer. Die nördliche Lucht wurde Abstellraum und Kellerniedergang. Ein weiterer Wohnraum mit Butze kam in den südlichen Stallteil. Auf der Nordseite entstand ein Nebenausgang. Auf diese Weise wurden die beidseitigen Viehhaltungen zu Wohnraum, der aber auf der Nordseite später wieder als Schweine- bzw. Hühnerstall benutzt wurde.
Der östliche Krüppelwalm wurde durch einen Steilgiebel ersetzt. 
Bei den laufenden Arbeiten wurde eine signierte Fußbodendiele entdeckt: 20. 8. 1897 August Meyer, Tischler in Rekum und Hinrich Köster, Tischler, Wittsted, z. Z. Rekum. Den Umbaumaßnahmen fielen die Ständerreihen zum Opfer. Sie sind wiederhergestellt worden. Die Nachfolgebesitzer haben lediglich Umbauten an Fenstern und teilweise an Fußböden vorgenommen. Im Haus befand sich lediglich eine "Klokiste".
Bei der Wiederherstellung des Hauses ist versucht worden, mit alten Materialien und alten Techniken zu arbeiten. So stammen z. B. die Steine aus dem Haus Hüllenhagen, Maueranker von Schminke, Eichenbalken aus den Häusern Schwanewede und Kihne, Witteburgfliesen und Klinker aus dem Haus Cramer, die Haustür von K. Morisse. Gemauert und gefügt wurde mit Muschelkalk, Farben wurden gewickelt.
So stellt sich heute das Kahnschifferhaus seinen Besuchern dar.

Sonderseite BLV

Rekum -
„Wissen Sie, was es mit den Kerben auf sich hat?", wollen Wolfgang Kobbe, Vorsitzender des Heimatvereins Farge-Rekum e.V., und Arend Wessels, zuständig für das Archiv, wissen und deuten auf ein altes Waschbecken im Kahnschifferhaus. „Da wurden die Messer geschärft."
In den Räumen des alten mit Reet gedecktem Hauses an der Straße Unterm Berg 31 lebt die Geschichte, und Interessierten wird gerne mehr über die Vergangenheit des Ortes sowie des Kahnschifferhauses erzählt.
1800 wurde das Haus ursprünglich als Anbauerstelle, Wohnhaus und Schweinestall gebaut. Vermutlich waren die ersten Besitzer Kleinbauern gewesen, die Familie Mengers befasste sich dann jedoch im Zeitraum, von 1867 bis 1931 mit der Schiffahrt. Sie waren selbstständige Kahnschiffer und mit kleinen Schiffstypen wie Weserkahn, Ever oder Tjalk mit Ware zwischen Bremen und den Häfen der Wesermündung, aber auch bis an die Küsten der Nord- und Ostsee unterwegs. In der heutigen Straße Unterm Berg haben nach Informationen des Heimatvereins elf selbstständige Schiffer gewohnt. Diesen ist der Name „Kahnschifferhaus" gewidmet.
Im Inneren gibt es aber auch allerlei, das an die kleinbäuerliche Zeit erinnert wie das alte Waschbecken oder der Ofen mit zwei Feuerstellen. Damals - Unterm Berg war die Hauptstraße - ging das Grundstück bis zur heutigen Rekumer Straße. „Es war schmal, aber lang", erklärt Wolfgang Kobbe. „Die Leute damals waren Selbstversorger und haben viel angebaut", so der Vorsitzender des Heimatvereins.
Dieser bekam zusammen mit dem Schifferverein Rekum und Umgebung von 1919 e.V. 1992 das Haus geschenkt. In den folgenden fünf Jahren wurde das Gebäude von den Mitgliedern der Vereine restauriert. „Wir haben möglichst alte Materialien verwendet", berichtetet Arend Wessels. Drei alte Treppen besorgten sie sich, eine davon wurde eingebaut, aus einer anderen der Tisch im Besprechungsraum gefertigt und die dritte wieder verkauft. Der Fußboden stammt aus einer alten Villa. Die Haustür kommt aus einem Bauernhaus. Die Fenster sind neu. Da es nun aber nicht mehr aus allen Ritzen zieht, müssen die Vereine gegen den Schimmel kämpfen.
„Bei der Restaurierung haben wir bemerkt, dass der Fußboden schief ist und unter der Türschwelle kleine Löcher sind", sagt Wolfgang Kobbe. Dabei handele es sich allerdings um gut durchdachte Planung. Die Konstruktion diente bei Hochwasser dazu, dass das Wasser abfließen kann. Noch heute ist der Boden ganz leicht schief. Der Heimatverein stellt im Kahnschifferhaus Fliesen der Steingutfabrik Witteburg oder Stickereien aus den Jahren 1842 oder 1871 sowie andere alte Gegenstände aus. Mitglieder können im Kahnschifferhaus auch feiern. Wer Interesse hat, kann an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr vorbeikommen. Näheres auch telefonisch bei Wolfgang Kobbe unter der Nummer 04 21/60 56 40.
NAD
Quelle: BLV