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Lesung Markus Tönnishoff

Bissig und garstig – Satire pur

Autor: Jörg Bolz, HVFR

Nach langer coronabedingter Pause gab es am 17. Mai 2022 endlich wieder eine Lesung im Kahnschifferhaus. Der Bremer Journalist und Autor Markus Tönnishoff präsentierte seine satirischen Kurzgeschichten. 22 Gäste fanden sich in der großen Diele ein und wollten, wie unsere Vorsitzende Rosemarie Dietrich bei der Begrüßung sagte: „endlich mal wieder lachen“.

Und so geschah es dann auch.

Markus Tönnishoff unternahm in seinen Satiren einen erfrischenden Spaziergang durch die Politik und das Alltagsleben.

Die Satiren waren dabei oftmals so skurril, dass man kaum glauben mochte, dass der Aufhänger seiner Geschichten stets der Realität entsprang. Gleichwohl zielte Markus Tönnishoff nicht nur auf die Lachmuskeln der versammelten Zuhörer, sondern hinterließ bei der einen oder anderen Geschichte oft auch ein bisschen Nachdenklichkeit.

Es begann mit einer Geschichte, bei der der Frage nachgegangen wurde, was passiert, wenn beim Polizeinotruf gespart wird. Dann klingt es so: „Willkommen bei der Polizei. Unser Computer wird Sie durch das Menü führen. Wenn Sie einen Verkehrsunfall melden wollen, drücken Sie die 1, wenn Sie gerade überfallen werden, drücken sie die 2.“

Markus Tönnishoff trieb im weiteren Verlauf die Dinge auf die Spitze: „Will der Täter mehr als 100 Euro von Ihnen erbeuten, drücken Sie die 17, ist der Betrag kleiner, weisen Sie den Täter bitte darauf hin, dass auch kleinere Beträge versteuert werden müssen“ und brachte so die Gäste schon am Anfang des Abends zum herzhaften Lachen.

Eine, für die meisten Gäste im Kahnschifferhaus, sehr nachvollziehbare Geschichte drehte sich um den Bestellvorgang im Restaurant. Die Tatsache, dass häufig die Speisen mit Nummern versehen sind, kann dazu führen, dass der Gast nicht mehr weiß, welches Gericht er eigentlich bestellt hat und am Tisch das große Chaos ausbricht, wenn der Kellner dann auch nur die Nummern kennt und nicht die Speisen. So entsteht ein herrliches Durcheinander unter den am Tisch sitzenden Ehepaaren, mit allerlei Vorwürfen über schlechtes Nummerngedächtnis in anderen Angelegenheiten. Fast schon, im Stile von Loriot, filmreif.

Die Auswahl der Geschichten, die er an diesem Abend las, entnahm er seinen seit 2014 veröffentlichten Büchern:

„Wenn der Affe sich schnäuzt, klingelt die Kasse“ (2014)

„Ein Herz für intersexuelle Pinguine“ (2016),

„Die Seehunde haben heute Ruhetag“ (2020)

Aber auch ein kurzer Ausblick in sein neues Buch, was wohl Ende des Jahres erscheinen soll, war dabei. Hier ging es um die Farbe „Schwarz“, wie man sie in alltäglichen Begriffen wie „Schwarzfahren“, „Schwarzbrot“ oder „Schwarzwald“ findet. Umschreibt man „Schwarz“ heutzutage vielleicht korrekter, um nicht rassistisch zu wirken, mit „Abwesenheit von Helligkeit“ oder ähnlichem? Wie man beim Einkaufen im Bäckerladen mit diesem Ansinnen, sprachlich korrekt zu sein, hoffnungslos scheitern kann, wurde herrlich skurril und überzogen präsentiert.

Insgesamt, mit zwei von den Zuhörern geforderten Zugaben, hat Markus Tönnishoff an diesem Abend 13 Geschichten zum Besten gegeben und wurde mit herzlichem Applaus verabschiedet.