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Heimatverein und Fremdenverkehr

In Rekum gab es seit Jahren den "Verein für Gemeinwohl", der sich um heimatliche Belange kümmerte. Mitte Oktober 1927 gründeten Farger Bürger erneut den "Bürgerverein", der schon bis 1912 hier Bestand hatte. Sie wollten nicht miteinander, sondern nur nebeneinander arbeiten.

            Vermutlich wurde 1932 der Fremdenverkehr durch einen Erlass des Reichsausschusses angekurbelt. Der "Verein für Gemeinwohl" beschloss daraufhin auf seiner Sitzung am 10. Februar 1934 die Umbenennung des Vereins in "Heimatverein Farge-Rekum". Dazu wörtlich: "Wir sind bereit, in den Vorstand auch einige Farger Herren aufzunehmen." Schon am 19. Februar 1934 wird beim Gemeindevorsteher Taylor beschlossen, dass sich beide Vereine gleichberechtigt zusammenschließen. Als Vereinsvorsteher wurde J. D. Trüper bestimmt und der Verein erhält den Namen: "Heimatverein Farge-Rekum" mit dem Zusatz: für Heimatpflege und Fremdenwerbung.  

Der Weserstrand in Farge und Rekum war bei Weservertiefungen aufgespült worden und lud zum Verweilen ein. In Farge-Süd war 1933 am Ende des Wasserwegs Richtung Süden der verfallene Löschplatz. Die Instandhaltung dieses wenig benutzten Platzes wurde von der Verwaltung mehrfach abgelehnt, auch die Zuwegung zum Wasser befand sich in einem schlechten Zustand. Aber der Strand war schöner weißer Sand, bis zur großen Heidflut, die kurz vor der Fähre in die Weser mündete. Die gerade von Charlotte Freiwald eröffnete alkoholfreie Gaststätte mit Sommergarten (heute die geschlossene Gaststätte Deichkieker) fand großen Zuspruch.
           Die DLRG hatte am Strand in Farge-Süd die Aufsicht, denn es gab noch sehr viele Nichtschwimmer. In einer vom Direktor Cramer gesponserten Hütte konnten die Rettungsschwimmer ihre Utensilien unterbringen. Zu Saisonbeginn wurde der Strand abgeharkt und sauber gemacht. Der Bürgerverein forderte 1933 vom der Gemeindeverwaltung in einem detailliertem Schreiben mehr Sauberkeit im Ort. Der Heimatverein forderte 1934 die Gemeinde auf, für die mehreren tausend Besucher der Strände, Toiletten in Farge aufzubauen.

Am Fähranleger war auch ein Strand, der aber vom Kraftwerk und der großen Heidflut begrenzt wurde. Über dem Anleger für die Fahrgastschiffe, die auch die Besucher aus der Stadt brachten, prangte groß das Schild: "Strandbad Farge." Für die Schwimmer wurde im Sommer extra ein Sprungturm im Wasser aufgebaut. Das Gasthaus an der Fähre "Am Weserstrand" hatte in der Saison einen großen Sommergarten. 

 

In Rekum war der aufgespülte Strand gut zwei Kilometer lang. Er begann bei der Weserkorrektion und endete erst beim Rekumer Siel. Die alkoholfreie Gastwirtschaft mit Sommergarten "Weserlust", gleich neben dem Kahnschifferhaus, versorgte seit 1933 die Sommergäste mit Speis und Trank. Der rührige Wirt Friedrich Freese baute schon 1934 einen Anleger für die Ausflugsdampfer, damit war er direkt von Bremen aus zu erreichen. An diesem Anleger war das Schild "Anleger Strandbad Farge-Rekum" zu lesen.

Der Heimatverein brachte einen eigenen kleinen Prospekt heraus, um den heimatlichen Ort in einem guten Licht dastehen zu lassen. In diesem Reklameblatt für Farge-Rekum wird Rekum nur in (Klammern) erwähnt. Aber auch überregional wurde geworben, in einem kleinen Heftchen tauchen St. Magnus, Vegesack, Schönebeck, Blumenthal und Farge auf.          

Neben den Gaststätten wurden in vielen Privathäusern Fremdenzimmer angeboten. Wer nicht dem Heimatverein beigetreten war, wurde bei der Zimmervermittlung auch nicht berücksichtigt. 1934 wurde für ein Bett pro Woche 5,50 RM berechnet, Kinder zahlten die Hälfte oder auch 1 RM je Nacht.

            Der Heimatverein erfasste auch alle Naturdenkmäler, Bäume, Tümpel oder Dünen. Dabei wurden u. a. die Bäume vor dem Rathaus erwähnt. Als dann an der heutigen Betonstraße 1934 ein Waldstück für eine Neubausiedlung gerodet werden sollte, herrschte große Aufregung, man sprach von Zerstörung der Natur.

            Bei all dem Bemühen um den Fremdenverkehr in Farge-Rekum gab es doch keine Möglichkeit, den Ort zum Luftkurort zu erklären. Seit Anfang der 1920er Jahre wurde hier intensiv Schweinemast betrieben. Es gab 1932 sechs hauptberufliche Mäster mit bis zu 700 Schweinen im Jahr, dazu kamen die Bauern und Nebenerwerbsbetriebe. Der Duft dieser Schweineställe nach Ammoniak war vermutlich im ganzen Dorf zu riechen. Trotzdem beschwerte sich der Bürgerverein 1933 über eine Abdeckerei in der Schwaneweder Heide bei der Bertholdshöhe, sie würde den Fremdenverkehr durch Geruchsbelästigung stören.

(Verfasser: A. Wessels)